Alles - ist ganz schön viel

ALLES – ist ganz schön viel

 

Meine Tochter hat gerade ihren Wunschzettel für das Christkind geschrieben und zeigt ihn freudestrahlend der Omi. "Das alles wünscht du dir?" , fragt die Omi.

"Ja, das alles" , sagt meine Tochter.

Die kleine Schwester ergänzt: "Ich wünsche mir das auch alles und noch Flügel, damit ich wie eine Elfe überall hinfliegen kann."

"Alles? Das ist ganz schön viel. Alles geht aber nicht!", hören dann die Kinder.

 

 

Der Satz kommt mir sehr bekannt vor und ich fühle, wie enttäuscht meine Kinder sind.

Ohne zu maßlosem materiellen Konsum aufzurufen, möchte ich mit diesem kurzen Dialog dafür werben, Kinder im Wünschen nicht zu beschränken. Wer schon als Kind nicht die Chance auf Wünsche hat, große, viele, bunte, phantasievolle Wünsche und Träume, wird als Erwachsener vermutlich nur schwierig Kontakt zu seinen Wünschen bekommen.

Aber geht es nicht im Leben um Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle und Ziele?

 

 

Die Einschränkungen und die Beschneidung der Wünsche kommt doch früh genug und automatisch in unser Leben. Natürlich wird sich nicht alles erfüllen. Aber man kann sich alles wünschen.

Ist es nicht wunderbar gedanklich aus dem Vollem zu schöpfen, zu warten, zu hoffen, einen sehnlichen Wunsch zu haben? Dieser Zustand ist fast schöner und aufregender als später die eventuelle Erfüllung.

 

 

"Alles - (zu wollen) ist ganz schön viel."

Diese Aussage begleitet mich nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Sie fordert mich persönlich heraus.

 

 

Alles bedeutet für mich – eine liebende und pädagogisch wertvolle :-) Mutter für meine Kinder zu sein, das Familienleben lebendig zu halten, das Nest zuhause gemütlich und ordentlich zu halten, die Arbeit erfolgreich zu verrichten und neben allen Terminen auch Zeit für die eigenen Wünsche, Hobbies und Bedürfnisse finden – ALLES ist ganz schön viel.   

 

Das merke ich häufig. Aber WENIGER geht nicht! 

Wo soll ich streichen? Worauf verzichten?

Wenn ich meine Freunde noch seltener treffe oder den Sport ausfallen lasse, geht das für kurze Zeit. Eine Dauerlösung ist es für mich nicht!

Es macht mich unzufrieden.

 

Eine Arbeit zu machen, die zeitlich und finanziell gut in den Lebens- und Familienrahmen passt, aber eben inhaltlich nicht meinen Wünschen und Bedürfnissen entspricht, macht mich unzufrieden.

Diese Unzufriedenheit wirkt unerwünscht auch auf die restlichen Lebensbereiche.

 

Mit meinen Kindern im Galopp durch den Alltag, ohne zu spüren, was gerade in ihrer kleinen Welt vor sich geht? Absolut nicht denkbar, macht mir ein schlechtes Gewissen und macht mich außerdem sehr unglücklich.

Früher habe ich die Aussage "ALLES – ist ganz schön viel!" als Aufforderung zur Einschränkung empfunden. Als Aufforderung bescheiden zu sein.

 

Heute betrachte ich sie als Bedürfnis-Wunschliste. Als den Sinn meines Lebens. Alle Wünsche, die in mir sind zu erlauben und nicht mit dem Stempel "das geht nicht auch noch" beiseite zu schieben. ALLES möchte ich auf rücksichtsvolle Weise in mein Leben integrieren.

Warum und für wen bescheiden? Wenn ich glücklich und zufrieden bin, wirke ich entsprechend auf Menschen in meinem Umfeld.  

 

 

 

Meine Herausforderung sehe ich darin, zu überprüfen, was das ALLES ist. Entscheidungen zu treffen, wenn sich das ALLES verändert hat. Leben neu zu justieren, Wünschen auch tatsächlich zu entsprechen und sie nicht zu unterdrücken.

Das ist in etwa so, wie Wunschzettel schreiben.